Zen ist ...

... eine Lebensphilosphie - mit der Besonderheit, keine philosophischen Inhalte vorzugeben.

Vielmehr ist Zen eine Anleitung für den Weg - den Lebensweg - der den einzelnen Menschen zu seinem ursprünglichen Dasein führt. Zen vermittelt keine Weisheiten, mit denen man sein Leben wertvoller machen könnte, wenn man nach ihnen lebt. Zen kennt keine Autoritäten, an die man sein Leben hängen sollte. Alle Autorität im Zen kommt aus dem eigenen Inneren.

Auf dem Zenweg steht nicht das Nachdenken über die Dinge, sondern das Erfahren des Lebens im Mittelpunkt.

"Die Lebensfülle, so wie sie wirklich lebt, ist das, was Zen zu erfassen sucht, und zwar auf dem kürzesten und lebendigsten Wege."
"Wir sind selbst unsere Lehrer; Zen weist nur den Weg." (Daisetz T. Suzuki)

Der Zen-Weg ist ein Übungsweg. Die tägliche Übung besteht darin wahrzunehmen, seine Sinne zu öffnen für das Hier und Jetzt, die banale Realität in jedem Augenblick ohne Verzerrung durch den Verstand zu erfassen.

Historisch ist Zen die japanische Weiterentwicklung des Tschan-Buddhismus. Übersetzt heisst "Tschan" und auch "Zen" "Meditation". Dieser Zweig des Buddhismus distanziert sich von vorgegebenen Texten und Ritualen und betont dafür die Meditation als den Weg zur Erleuchtung. Tschan entwickelte sich in China in der Zeit der Tang Dynastie (618 - 907 n. Chr.). Als erster Patriarch des Tschan gilt Bodhidharma, ein indischer Mönch, der um 520 n. Chr. nach China kam.

Aus China wurde das 'Rinzai-Zen', das auf den Meister Chao-chou (jap. Joshu) zurückgeht, 1191 nach Japan gebracht. In Japan bestimmte Hakuin massgeblich diese Richtung. Rinzai-Zen bedient sich der Praxis der Koan-Meditation. Ein Koan ist ein Paradox, das den Schülern als Aufgabe gegeben wird, um diesen die Grenzen von Lehrsätzen, vorgegenenen Texten und des logischen Denkens aufzuzeigen.
Die zweite Zen-Richtung 'Soto-Zen' geht auf Dogen (1200 - 1253) zurück. Er betont die einfache Meditation und die Übertragung der Erfahrungen auf die Art und Weise, wie die Handlungen des täglichen Lebens verrichtet werden.
Zen wurde in Japan in der Zeit des Schogun-Systems (1192 - 1868), der Herrschaft der Militäraristokratie, zu seiner Blüte geführt.

Zen hat seine Wurzeln in der buddhistischen Religion. Suzuki stellt aber zu Recht fest:
"Zen verkündet von sich selbst, dass es der Geist des Buddhismus ist, in Wirklichkeit ist es der Geist aller Religion und Philosophie."
"Was einst im Himmel war, Zen hat es zur Erde gebracht."

Die Geisteshaltung des Zen kann jederzeit, an jedem Ort und bei jeder Tätigkeit geübt werden. Wer am Anfang des Weges steht, wird feststellen, dass die Aufgabe unüberwindbar schwer erscheint, länger als ein paar Sekunden seine Gedanken auszuschalten und nur zu sein. Um leichter Fortschritte zu machen, empfiehlt es sich daher, die eigene Wahrnehmung immer wiederkehrend in der gleichen Situation zu schulen. Die wohl bekannteste Methode ist die Sitzmeditation (Zazen). Die Übenden sitzen, um das Sitzen in völliger Geistesgegenwart zu praktizieren, sich selbst bis in die kleinste Zelle von Augenblick zu Augenblick wahrzunehmen und urteilsfrei anzunehmen.
In Japan haben sich darüber hinaus viele Zenwege ("dô"s) entwickelt, u.a. der Weg desTees (chadô), des Bogens (kyûdô), der Kalligraphie (shodô), des Blumensteckens (kadô), des Ringens (judô), des Fechtens (kendô), der Künste (geidô), des Ritters (bushidô). Es geht nicht um die Sache an sich, sondern um die Haltung, mit der die Dinge getan werden.

weitere Ausführungen zu Zen und dem Zen im Shiatsu (im PDF-Format)